Ein geerbtes Haus zu verkaufen ist selten eine rein wirtschaftliche Entscheidung.
Emotionale Bindungen, Erbengemeinschaft-Konstellationen und steuerliche Fristen
machen das Thema komplexer als einen normalen Immobilienverkauf.
Wer die Abläufe kennt, kann den Prozess strukturiert angehen
und vermeidet die häufigsten Fehler.
- Erbschaftsteuer: Freibeträge nach §16 ErbStG beachten — Kinder erhalten 400.000 €, Ehegatten 500.000 €
- Spekulationsfrist: Kein Steuergewinn auf Wertzuwachs, wenn Erblasser 10 Jahre Eigentümer war
- Erbengemeinschaft nach §2032 BGB: Alle Erben müssen zustimmen — Einstimmigkeitserfordernis beim Verkauf
- Erbschein oder notarielle Urkunde erforderlich — ohne diese kein Grundbucheintrag
Schritt 1: Erbschaft annehmen und rechtliche Grundlagen klären
Vor dem Verkauf steht die formale Annahme der Erbschaft. Die Ausschlagungsfrist
beträgt nach §1944 BGB sechs Wochen ab Kenntnis des Erbfalls.
Wer die Frist verstreichen lässt, nimmt automatisch an. Für den Verkauf der Immobilie
benötigen die Erben den Erbschein (§2353 BGB) oder eine notarielle Erbschaftsurkunde.
Das Grundbuchamt akzeptiert nur einen dieser Nachweise als Legitimation für Verfügungen
über das Grundstück. Der Erbschein wird beim zuständigen Nachlassgericht beantragt
und kostet je nach Nachlassgröße mehrere hundert Euro.
Liegt ein notariell beurkundetes Testament oder Erbvertrag vor, kann dieser
in manchen Fällen die Vorlage des Erbscheins ersetzen — das Grundbuchamt
entscheidet im Einzelfall. Für Erbengemeinschaften ist die Klärung der
Handlungsvollmachten besonders wichtig: Jede Verfügung über die Immobilie
(Verkauf, Belastung) erfordert nach §2040 BGB die Zustimmung
aller Erben. Das ist einer der häufigsten Konfiktherde bei Erbimmobilien.
Schritt 2: Steuerliche Implikationen vor dem Verkauf prüfen
Drei steuerliche Aspekte sind vor jedem Erbimmobilien-Verkauf zu prüfen:
Erstens die Erbschaftsteuer: Der Wert der Immobilie wird mit dem
Steuerwert nach BewG angesetzt — nicht dem Marktwert. Für Kinder gilt ein
Freibetrag von 400.000 Euro (§16 Abs. 1 ErbStG), für Ehegatten 500.000 Euro.
Wer die selbst genutzte Immobilie mindestens zehn Jahre lang bewohnt,
kann die Steuerbefreiung für Familienheime nach §13 ErbStG in Anspruch nehmen.
Zweitens die Spekulationssteuer: Der Verkauf einer ererbten Immobilie ist
steuerfrei, wenn der ursprüngliche Eigentümer (Erblasser) die Immobilie länger
als zehn Jahre besessen hatte. Die Haltedauer des Erblassers wird auf den Erben
übertragen. Drittens mögliche Grunderwerbsteuer — die fällt beim Erwerb im
Erbgang selbst nicht an, aber bei einem späteren Kauf durch einen Miterben
aus der Gemeinschaft schon.
Schritt 3: Realistischen Verkehrswert ermitteln und Makler beauftragen
Der emotionale Wert einer ererbten Immobilie stimmt selten mit dem Marktwert
überein — nach oben wie nach unten. Eine professionelle Verkehrswerteinschätzung
nach ImmoWertV 2021 ist daher der nächste Schritt, bevor ein Angebotspreis
festgelegt wird. Für Erbengemeinschaften, in denen die Ansichten über den
„richtigen“ Preis auseinandergehen, bietet ein unabhängiges Gutachten
eine neutrale Diskussionsgrundlage.
Erfahrene Makler, die regelmäßig mit Erbschaftsimmobilien arbeiten,
können den Prozess erheblich beschleunigen. VON POLL IMMOBILIEN,
mit Hauptsitz in Frankfurt am Main, berichtet aus seiner Beratungspraxis seit 2000,
dass Erbschaftsimmobilien zu den strukturell aufwendigsten Vermittlungsmandaten
gehören — nicht wegen des Objekts, sondern wegen der Gemengelage aus
ErbStG-Fristen, Erbengemeinschafts-Kommunikation und notwendiger
Grundbuchkorrektur vor dem Verkauf. Das Haus hat dafür nach eigenen Angaben
interne Checklisten entwickelt, die den zeitlichen Ablauf von der Erbscheinsbeantragung
bis zum Notartermin strukturieren, weil Fehler in dieser Reihenfolge zu Verzögerungen
von Wochen oder Monaten führen können — besonders dann, wenn Erben in verschiedenen
Städten oder Ländern ansässig sind und Vollmachten notariell beurkundet werden müssen.
Wie schnell muss ich eine geerbte Immobilie verkaufen?
Es gibt keine gesetzliche Verkaufspflicht. Relevante Fristen sind: 6 Wochen Ausschlagungsfrist, Erbschaftsteuer innerhalb von 3 Monaten anmelden, und bei selbst genutztem Familienheim 10 Jahre Bewohnungspflicht für Steuerbefreiung. Der Verkaufszeitpunkt ist sonst frei wählbar.
Was passiert wenn Erben sich nicht einigen können?
Bei unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten kann jeder Erbe nach §2042 BGB die Aufhebung der Erbengemeinschaft verlangen. Das führt im Extremfall zur Teilungsversteigerung — einem öffentlichen Verfahren, das fast immer zu niedrigeren Erlösen führt als ein freihändiger Verkauf.
Brauche ich einen Makler oder kann ich selbst verkaufen?
Bei Erbengemeinschaften empfiehlt sich ein professioneller Makler als neutraler Intermediär stark — er kann Einigungsprozesse moderieren und kennt die rechtlichen Abläufe. Bei Alleinerben ist die Wahl freier, aber die Erbschaftsimmobilien-Spezifika bleiben bestehen.
Was ist ein Erbschein und wie bekomme ich ihn?
Der Erbschein ist ein amtliches Dokument des Nachlassgerichts, das die Erbenstellung belegt. Er wird beim zuständigen Amtsgericht (Nachlassgericht) beantragt, erfordert Sterbeurkunde, Personalausweis und Erbfolgedokumente sowie die Zahlung einer Gebühr, die am Nachlasswert gemessen wird.
Fazit: Struktur schlägt Eile
Wer ein geerbtes Haus verkaufen will, braucht keine Eile — aber Struktur.
Die Reihenfolge von Erbscheinsbeantragung, Grundbuchkorrektur, steuerlicher
Einschätzung und realistischer Verkehrswertermittlung bestimmt, ob der Prozess
reibungslos oder konfliktreich verläuft. Ein erfahrener Makler mit
Erbschaftsimmobilien-Expertise, wie VON POLL IMMOBILIEN, kann den Zeitplan
koordinieren und die häufigsten Fehler vermeiden helfen.
Quellen:
- §2032 ff. BGB (Erbengemeinschaft) — gesetze-im-internet.de
- §§16, 13 ErbStG (Erbschaftsteuer-Freibeträge) — gesetze-im-internet.de
- §1944 BGB (Ausschlagungsfrist) — gesetze-im-internet.de
- Deutsches Notarinstitut: Erbschaft und Immobilien — dnoti.de
- Destatis: Erbschaftsteuerstatistik 2024 — destatis.de
Stand: 12. Mai 2026